|

Der Verleger Robert Burau will seinen Landsleuten helfen, die Lesekultur wieder zu entdecken
Der Verleger Robert Burau will der Literatur seiner Landsleute auf die Sprünge helfen und damit zur Entwicklung der Kultur der Deutschen aus Russland beitragen. Eine ziemlich ehrgeizige Aufgabe in Deutschland, wo der Büchermarkt übersättigt ist. Viel Wert legt Burau auf die kreative Gestaltung. Ein Schriftwerk, das auch optisch anspricht, sei leichter an den Leser zu bringen, davon ist er fest überzeugt: „Es ist wie beim Essen. Ein Buch soll ein Festmahl für die Augen und die Seele sein“. Seit 16 Jahren ist der ausgebildete Zahnarzt in Lage-Lippe bei Bielefeld zu Hause, wo er sich im erlernten Beruf einen guten Namen gemacht hat. Bücher verlegen ist für ihn eine Art Berufung neben seinem Hauptberuf.
1944 in Annaberg (Warthegau) geboren, musste der zweijährige Robert mit den Eltern nach Sibirien. Er war 14, als die Familie 1958 in die Nähe von Alma-Ata umsiedeln durfte. Obwohl in seinem streng religiösen Elternhaus Bücher kaum zum Alltag gehörten, wurde Robert nichtsdestotrotz ein leidenschaftlicher Leser - der Poesie ist er besonders zugetan. In
seiner Jugend versuchte er Gedichte zu schreiben, und in reiferen Jahren wurde er aus Liebe zum Gedruckten Verleger.
Die Überzeugung, die Literatur der Russlanddeutschen verdiene ein besseres Los, war unter anderem die Motivation für die Verlagstätigkeit. Der häufigen Behauptung, die Russlanddeutschen hätten gar keine eigene Literatur, bringt er ein festes Argument entgegen: „Um zu urteilen, muss man lesen“. Die meisten Bücher, die er verlegt, liest er zuerst selbst.
Um sich für die Branche fit zu machen, sammelte Burau vor der Verlagsgründung 1997 Informationen über den Büchermarkt, Autoren, Druckereien. Man konnte ihn oft auf Seminaren der Landsmannschaft sehen, wo er Kontakte zu Musikern, Künstlern und Autoren knüpfte. Er hatte seinen Verlag ursprünglich als Musikverlag konzipiert: „Ich singe im Männerchor, und dabei ist mir aufgefallen, wie schlecht manche Notenbücher gedruckt sind. Ich wollte es besser machen“. Aber dann entschloss er sich, auch schöngeistige Bücher von russlanddeutschen Autoren herauszugeben. Ein Bankkredit half ihm die Verlagstätigkeit anzukurbeln. Die Mehrheit der Autoren könne für die Druckkosten nicht aufkommen, erklärt er. Inzwischen hat Robert Burau dutzende Titel verlegt.
An Autoren mangelt es nicht, denn die Literaturszene der Deutschen aus Russland ist in den letzten Jahren ein echtes Dorado geworden. Dazu gehören namhafte Vertreter der älteren und mittleren Generation, die sich noch in der alten Heimat bewährt haben und jetzt neue Wege betreten. Und es gibt eine Gruppe junger Hoffnungsträger, die Deutsch oder zweisprachig schreiben.
Der Stolz des Verlegers sind die Bücher der bekannten Autoren wie Johann Warkentin, Viktor Heinz, Wendelin Mangold, Nora Pfeffer, Rosa Pflug, Lore Reimer, Nelly Wacker und anderer. Es ist schon ein sicherer Hafen, bewährte Autoren zu verlegen. „Aber auch junge Namen wie beispielsweise Lena Klassen, von der ich vorher nie etwas gehört hatte, die aber mit ihren 33 Jahren schon einige Romane geschrieben hat, ist eine wahre Entdeckung für den Verleger und den Leser“, meint Robert Burau. Zwar sei es immer ein Risiko, auf junge bzw. unbekannte Namen zu tippen, aber „jemand muss sie doch fördern, ansonsten würde es nie gute Lyriker und Prosaiker geben“.
Zu den Neuerscheinungen des Robert-Burau-Verlags gehören unter anderen Gedichte (im japanischen Stil) von Lia Frank „Die Kraniche ziehen“, der Kurzroman von Artur Hörmann „Legende“, der Roman von Anatoli Steiger „Das Haus am Teich“, die Erzählungen von Helene Schröder „Geschichten, die das Leben schrieb“, das Sachbuch „Deutsches Musiktheater in Russland“, das Kindermärchen von Nadja Runde „Potti, der Wall“, aber auch Bücher in russischer Sprache wie „Echo der Liebe“ von Agnes Giesbrecht oder „Gedichte und Prosa“ von Frieda Bayer.
Über den Vertrieb ist Robert Burau zwar nicht besonders begeistert, aber er hofft, dass seine Landsleute langsam die Lesekultur wieder entdecken. Ein Klischee sagt, dass sich Werke russlanddeutscher Autoren wegen ihrer nostalgischen und Taiga-Thematik schwer verkaufen lassen. Auch Burau hat da seine eigenen Erfahrungen. Deshalb baut er nicht allein auf Namen und Inhalte, sondern auch verstärkt auf das Buchdesign. Und er macht das ausgesprochen kreativ. Seine Tochter, eine perfekte Fotografin und phantasievolle Malerin, hilft ihm dabei. „Oft haben die Autoren eine Vorstellung davon, wie der Umschlag oder auch die Gestaltung im einzelnen aussehen soll“, erzählt Burau. Der Verleger verkauft seine Bücher hauptsächlich auf Autorenlesungen, Kulturveranstaltungen oder Bücherausstellungen, vermarktet sie über Inserate in Zeitschriften und persönliche Kontakte sowie durch Anmeldung bei der Deutschen Bücherei. „Meistenteils sind die Autorenlesungen ein Erfolg, weil sich da richtige Kenner der Literatur oder leidenschaftliche Leser versammeln“.
Kontakt zum Burau-Verlag:
BMV – Verlag Robert-Burau
Uekenpohl 31
32791 Lage
Tel.: 05202 – 27 70
Fax: 05202 – 27 71
www.bmv-burau.de
E-mail: info@bmv-burau.de
|