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„Wir zählen auf das Potential junger Menschen.“
Podiumsdiskussion beim JSDR-Forum in Stuttgart
Intellektuelles Herzstück des 1. Forums des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland, das vom 4. bis 6. Dezember in Stuttgart stattfand, war eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik und Gesellschaft. Teilnehmer der von Julia Scheidt, stellvertretende Bundesvorsitzende des JSDR, moderierten Veranstaltung waren Dr. Christoph Bergner, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Prof. Dr. Stefan Immerfall, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Adolf Fetsch, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Hartmut Liebscher, Landesvorsitzender Baden-Württembergder djo – Deutsche Jugend in Europa, und Elena Bechtold, Bundesvorsitzende des JSDR.

Im Laufe des Vormittags wurden neben aktuellen Themenbereichen wie politisches Engagement jugendlicher Spätaussiedler und Partizipation in den Parteien, Entwicklung von Selbstorganisationen der Zuwanderer sowie Anerkennung von Stärken und mitgebrachten Kompetenzen wichtige Fragen der Identitätsförderung der Deutschen aus Russland und ihrer Akzeptanz in der Gesellschaft, ihrer Darstellung in den Medien und der Anerkennung von Bildungsabschlüssen diskutiert.
Die wichtigsten Statements der einzelnen:
Dr. Christoph Bergner:
„Immer wieder muss ich feststellen, dass gerade bei den jungen Menschen eine gewisse Heimatlosigkeit gegeben ist. Durch ihre identitätsstiftenden Angebote versucht der JSDR dagegen zu wirken.“
Des Weiteren betonte der Parlamentarische Staatssekretär die bedeutsame Rolle junger Zuwanderern aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei der Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen. Er begrüße es, dass sowohl die Landsmannschaft als auch der JSDR an der deutsch-russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der deutschen Minderheit teilnehmen, und freue sich besonders über die neuen Partnerschaftsprojekte in Russland und Kasachstan.
Adolf Fetsch:
„Wir sind sehr erfreut darüber, dass der Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigen Säulen der Landsmannschaft entwickelt und sich als selbständiger Jugendverband etabliert hat. Wir zählen auf das Potenzial junger Menschen und hoffen sehr, dass es uns gelingt, die motivierten, dynamischen und qualifizierten Kräfte in unsere Verbandsarbeit einzubinden.“
Prof. Dr. Stefan Immerfall:
„Es bestehen Schwierigkeiten, die in den Herkunftsländern erworbenen Berufsabschlüsse in Deutschland anzuerkennen. Für die Veränderung dieses Missstandes möchte ich werben.
Die multikulturellen Kontakte bereichern diese Gesellschaft auf allen Gebieten. Daher empfehle ich, bringt euch auch in allen Bereichen ein. Auch in allen demokratischen Parteien. Mischt mit!“
Hartmut Liebscher:
„Es war uns als djo-Landesverband von Anfang an wichtig, die Jugendorganisation der Landsmannschaft zu unterstützen. Wir können bereits auf eine lange und gute Zusammenarbeit zurückblicken - zurück und gleichzeitig nach vorne, was unsere gemeinsamen Pläne und Projekte betrifft.
Was das negative Bild der Deutschen aus Russland in den Medien angeht, sollte es stets positiv korrigiert werden, durch eine kontinuierliche Aufklärungsarbeit zum Beispiel. Die positiven Beispiele müssen stärker in die Öffentlichkeit gebracht werden, um den pauschalen Aussagen entgegenwirken zu können. Mein Lieblingsspruch lautet: ‘Tue etwas Gutes und sprich darüber!' Durch unsere guten Taten und Worte können wir den Vorurteilen am besten begegnen.“
Elena Bechtold:
„Unser Forumsmotto lautet: ‘Wir wollen mehr!' Wir wollen das Image der jungen Deutschen aus Russland in der Bundesrepublik positiv ändern. Wir wollen das politische Engagement junger Zuwanderer parteiübergreifend fördern, uns in die Gesellschaft mit unseren Stärken und Kompetenzen einbringen. Eine von vielen mitgebrachten Stärken sind unsere Multikulturalität und die Kontakte zu den Herkunftsländern.
Integration in Deutschland ist nur ein Thema für uns. Wir verstehen uns auch als Kulturverein und wollen die Geschichte unserer Eltern erforschen, pflegen und weitergeben. Das ist die Grundlage der Identität. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft. Für die Jugendlichen ist es in einer bestimmten Lebensphase wichtig, nach ihren Wurzeln zu schauen. Das ist einer der Gründe, warum wir die internationale Arbeit mit den Herkunftsländern für so wichtig halten.“
Tatjana Gütler |