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6. Forum der Begegnungszentren der Russlanddeutschen in Moskau
Landsmannschaft unterzeichnete Kooperationsabkommen mit regionalen Organisationen des IVDK



Unter dem Motto “Die Begegnungszentren sind Brücken der Freundschaft und Zusammenarbeit” verlief das 6. Forum der Begegnungszentren der Russlanddeutschen vom 28. Oktober bis 1. November im Deutsch-Russischen Haus Moskau, organisiert von der Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen “Internationaler Verband der Deutschen Kultur” (IVDK) geschichteIVDK.doc mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Regionalentwicklung der Russischen Föderation und des deutschen Bundesinnenministeriums.

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Etwa 250 Teilnehmer (Leiter deutscher Begegnungszentren, regionaler Deutsch-Russischer Häuser, der regionalen NKA oder Wiedergeburt-Organisationen) aus rund 75 Regionen, Gebieten und Republiken Russlands, Gäste aus den russlanddeutschen Partnerorganisationen der GUS, Vertreter der entsprechenden Ministerien und Behörden Russlands und Deutschlands sowie eine Delegation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hatten vielfältige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur gemeinsamen Arbeit. Das groß angelegte Programm des Forums wurde mit dem 1. Kongress der Begegnungszentren der Russlanddeutschen im Moskauer Regierungshaus abgerundet, in dessen Rahmen sechs Kooperationsabkommen zwischen der Landsmannschaft und ihren regionalen Partnern in Russland unterzeichnet wurden.

Im Mittelpunkt der Diskussionen in den Arbeitsgruppen und bei weiteren Veranstaltungen stand die Bedeutung der Begegnungszentren für die Selbstorganisation der Russlanddeutschen. Nach etwa zehn Jahren haben sich die meisten der ca. 400 Begegnungszentren in Russland zu “Brücken der Freundschaft und Zusammenarbeit” entwickelt. Dennoch ist ihre Zukunft nach wie vor nicht vollständig abgesichert. Deshalb verfolgte das Forum das Ziel, die Öffentlichkeit und Regierungskreise in Russland und Deutschland auf die aktuellen Fragen der Deutschen in Russland aufmerksam zu machen.

Präsident Wladimir Putin führte in seinem Begrüßungstelegramm aus: “Einige Generationen der Russlanddeutschen haben einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des russischen Staates geleistet ... Auch heute nehmen Vertreter der deutschen Diaspora in Russland aktiv am Leben unseres Landes teil.”

Vertreter der Staatsduma, verschiedener Ministerien und Parteien sowie einige Gouverneure und Administrationsleiter bekundeten ebenfalls ihr Interesse durch Grußworte oder ihre Teilnahme. Die deutsche Seite war durch den Parlamtarischen Staatssekretär Dr. Christoph Bergner, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Ministerialdirektor Frank Willenberg vom Bundesinnenministerium sowie Vertreter der Deutschen Botschaft in Moskau und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit ihrem Bundesvorsitzenden Adolf Fetsch vertreten.

Für die musikalische Umrahmung und emotionale Höhepunkte sorgten die Auftritte zahlreicher Kulturgruppen aus den Regionen. Foto- und Bilderausstellungen regten ebenso wie Bücherstände aufschlussreiche Gespräche an.




Mit der Präsentation “Die Welt des Künstlers” wurden die Künstler Bruno Diel (Krasnojarsk) , Jürgen Nickel (Kostroma) und Inessa Harwardt (Smolensk) vorgestellt.

Das deutsche Begegnungszentrum Marx zeigte unter dem Titel “Die Zarin hält Hof in Marx” film ein Filmprojekt über die Geschichte und Eröffnung des Denkmals für Katharina II. in Marx. Maria Warkentin schließlich, Schauspielerin des Russlanddeutschen Theaters Niederstetten, brachte das Publikum mit Szenen aus dem Theaterstück “Der weite Weg zurück” und ihrem anheimelnden “Wolgadaitsch” nicht nur zum Lachen, sondern viele auch zum Weinen.

Selbstorganisation der Russlanddeutschen und ihre Rehabilitierung stehen im Vordergrund

Seit 1996 führt der IVDK, der sich inzwischen zu einer Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen entwickelt hat, Zusammenkünfte der deutschen Begegnungszentren des Landes durch. Seit über 15 Jahren bemüht sich der Verband mit praktischen Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Geschichtsforschung und Verlagswesen die Position der Russlanddeutschen als Volksgruppe zu stärken.

Infolge jahrzehntelanger Diskriminierungen seien die Russlanddeutschen, so der Vorsitzende des IVDK, Heinrich Martens, bei der Eröffnung des Forums, auch heute noch nicht in der Lage, ihre kulturelle Identität selbständig zu erhalten und zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund benötige die deutsche Minderheit in Russland eine Fortsetzung der Fördermaßnahmen von Seiten beider Staaten. Es liege es auf der Hand, “dass die unternommenen Bemühungen noch nicht zu den erwarteten Ergebnissen geführt haben; die Voraussetzungen für die Selbsterhaltung der Ethnie und eine stabile Entwicklung der deutschen Minderheit sind noch nicht in vollem Maße erreicht worden. Somit bleibt die Frage der rechtlich-politischen Rehabilitierung der Russlanddeutschen nach wie vor offen.”

Der stellvertretende Vorsitzende des IVDK, Edwin Grieb, ergänzte: “Wir sollten die Erfahrungen unserer Vorfahren nutzen und im Rahmen der heutigen Gesetze, der heutigen Gegebenheiten ein System der Selbstorganisation aufbauen, zumal wir in dieser Richtung schon manches geleistet haben. Heute brauchen wir niemanden mehr um Gnade zu bitten; unsere Probleme können und sollen wir selbst lösen.”

Dr. Bergner betonte die entscheidende Rolle der Jugend für die Zukunft der deutschen Minderheit in Russland: “In zwei Jahren hatte ich mehrmals die Möglichkeit, die deutschen Begegnungszentren zu besuchen. Die Arbeit der Enthusiasten hinterließ bei mir immer einen tiefen Eindruck. Die Bedeutung der Begegnungszentren rückt immer mehr in den Vordergrund. Was wir dort sehen, ist für uns eine wichtige Motivation, die Politik fortzusetzen. Vor allem freue ich mich für viele Jugendliche; von ihnen hängt es ab, ob wir in 20 Jahren noch eine deutsche Minderheit haben werden.”

Begegnungszentren als tragende Säulen der Selbstorganisation –
historische Erfahrungen in der Gegenwart nutzen

Die eigentliche Arbeit des Forums fand in Arbeitsgruppen statt, die sich dem Thema Selbstorganisation der Russlanddeutschen widmeten und konkrete Vorschläge erarbeiteten. Im Rahmen des Forums wurden außerdem eine wissenschaftliche Konferenz und ein wissenschaftlich-praktisches Seminar durchgeführt.

In der Arbeitsgruppe “Selbstorganisation und Koordination der Tätigkeit der Begegnungszentren” wurde die “Konzeption der Vervollkommnung der Tätigkeit der Begegnungszentren zur Erhaltung und Entwicklung der kulturellen Identität und der Einheit der Russlanddeutschen“ erörtert, die für die Arbeit in den Regionen richtungsweisend werden soll. Als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstorganisation der Russlanddeutschen sind die regionalen Koordinierungsräte der deutschen Begegnungszentren anzusehen, die im August 2007 in Orenburg für die Regionen Sibirien, Wolga, Ural, Zentralrussland sowie Kaukasus und Südrussland gegründet wurden.

Im Mittelpunkt der Gruppenarbeit zum Thema “Partnerschaften – Initiativen in Russland und Deutschland” stand die Zusammenarbeit zwischen den russlanddeutschen Verbänden in Russland und Deutschland (Auführlicheres weiter unten).

Die Diskussionsrunde “Medien der Russlanddeutschen – Aussichten für die Zukunft” mit Teilnehmern aus Russland, weiteren Staaten der GUS und Deutschland befasste sich vor allem mit Informationsaustausch und der Rolle der russlanddeutschen Medien bei der Vermittlung und Popularisierung der deutschen Sprache.

Zahlreiche Impulse für eine anregende Diskussion vermittelte Prof. Dr. Arkadij Germann (Saratow) der Arbeitsgruppe “Geschichte, Heimatkunde und Kultur – unser Erbe für Russland und Deutschland erhalten” mit seiner “Konzeption der historisch-landeskundlichen Arbeit für IVDK, Jugendring und Begegnungszentren”, die durch ihre Verwirklichung zur Erhaltung der nationalen Identität der Russlanddeutschen und zur Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses beitragen soll.

Die Wissenschaftliche Konferenz “Deutsche in Russland: Historische Erfahrungen und aktuelle Probleme der Selbstorganisation” unter der Leitung von Prof. Dr. Germann wurde in Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen mit Unterstützung des Russischen Kulturministeriums durchgeführt. Auch hier wurden in erster Linie die Probleme der Selbstidentifikation als Grundlage der Selbstorganisation der Russlanddeutschen diskutiert und bei Veranstaltungen am runden Tisch mit den Leitern der russlanddeutschen Begegnungszentren besprochen.

Am wissenschaftlich-praktischen Seminar “Bildung und Sprache - Strategie und konkrete Aufgaben” beteiligten sich Vertreter der BIZ und der GTZ, des VDA und Deutschlehrer aus zahlreichen Regionen der GUS, die in den Begegnungszentren Deutsch unterrichten.

Bei der abschließenden Tagung (1. Kongress der Begegnungszentren der Russlanddeutschen) wurden sämtliche Vorschläge der Arbeitsgruppen, der wissenschaftlichen Konferenz und des wissenschaftlich-praktischen Seminars vorgestellt, um dann in die Schlussdokumente des Forums (Resolution zur Selbstorganisation und Beschlüsse zu wichtigen Tätigkeitsbereichen) einzufließen.

Jugendprojekt Avantgarde – “Die junge Generation
der Russlanddeutschen wird bestimmen, wer wir sind – Deutsche oder Russen.”

Teilnehmer des Jugendprojekts Avantgarde und Vertreter des Jugendringes der Russlanddeutschen stellten sich dem Forum mit einer Podiumsdiskussion zum Thema “Wir – unsere Zukunft” vor, die von Olga Martens moderiert wurde. Mit den Worten “Die junge Generation der Russlanddeutschen wird bestimmen, wer wir sind – Deutsche oder Russen.” brachte Olga Hartmann, stellvertretende Vorsitzende des Jugendringes der Russlanddeutschen, den Sinn der Jugendarbeit in den Begegnungszentren auf den Punkt.

An dem Jugendprojekt vom 26. Oktober bis 7. November beteiligten sich etwa 30 engagierte junge Leute aus verschiedenen Regionen des Landes, die aus zahlreichen Bewerbern ausgewählt wurden.

Zum Programm des Projekts gehörten ein Deutsch-Intensivkurs sowie eine Einführung in die Geschichte, Kultur und Traditionen der Russlanddeutschen über einen Theaterworkshop mit der russlanddeutschen Schauspielerin und Theaterpädagogin Maria Warkentin.

Weitere Beiträge der Diskussionsrunde kreisten um Themen wie “Die jungen Leute kennen die Geschichte Deutschlands besser als die der Russlanddeutschen“, “Enkel erzählen heute ihren Großeltern, wie es war”, “Ich bin stolz, eine Russlanddeutsche zu sein” und “Die Familie gibt uns das Gefühl, Deutsche zu sein”.

1. Kongress der Begegnungszentren der Russlanddeutschen:
“Egal, wo wir leben, wir bleiben ein Volk, das eine Geschichte hat; wir sollten das nicht vergessen.”

Höhepunkt des Forums war der 1. Kongress der Begegnungszentren der Russ-landdeutschen im Regierungshaus Moskau mit zahlreicher Politprominenz von beiden Seiten, Teilnehmern und Gästen aus dem Ausland. Wie ein roter Faden zog sich der Gedanke von Olga Hartmann vom Jugendring der Russlanddeutschen durch die Veranstaltung: “Egal, wo wir leben, wir bleiben ein Volk, das eine Geschichte hat; wir sollten das nicht vergessen.”

“Als Grundlage der kulturellen Identität und der Gemeinsamkeit der Russlanddeutschen dienen in erster Linie das gemeinsame Schicksal, das historische Gedächtnis, das Zugehörigkeitsgefühl, die Familientraditionen, die Überlieferungen der Vertreter der älteren Generation, insbesondere die über lange Jahre durchgemachten Leiden und die erlebte Ungerechtigkeit. Von großer Bedeutung sind auch die kulturelle Anziehungskraft der historischen Heimat und die bestehenden persönlichen Kontakte zu Verwandten in Deutschland”, hob Heinrich Martens hervor.

Alexander Schurawskij vom Russischen Ministerium für Regionalentwicklung betonte die Brückenfunktion der Russlanddeutschen: “Die Russlanddeutschen waren immer und bleiben ein Verbindungsglied in den Beziehungen zwischen den beiden großen Staaten – Russland und Deutschland.” Er verwies auf die Bedeutung der Konzeption des Föderalen Zielprogramms “Entwicklung des sozialökonomischen und ethnokulturellen Potentials der Russlanddeutschen in den Jahren 2008-2012”, die von seinem Ministerium in Zusammenarbeit mit dem IVDK erarbeitet und im August dieses Jahres vom russischen Ministerpräsident Fradkow unterzeichnet wurde. Mit einem 80 Millionen-Euro-Programm soll sie vor allem die klassischen Siedlungsgebiete der Russlanddeutschen fördern: an der Wolga (Gebiete Uljanowsk und Samara) und in Westsibirien (Nowosibirsk, nationale Landkreise Halbstadt und Asowo).

Mehrfach wurden die Leistungen der Russlanddeutschen erwähnt, die “eine bleibende Spur in der russischen Geschichte” hinterlassen haben. “Gleichzeitig ist anzumerken, dass Russlanddeutsche in vollem Maße auch von Leiden betroffen wurden”, so der Vorsitzende der Partei “Einiges Russland”, Gryslow, in seinem Grußwort, das von Konstantin Kosatschow, Vorsitzender des Ausschusses für internationale Beziehungen in der Staatsduma, verlesen wurde.

Diesbezüglich erinnerte Martens: “Es liegt in der Verantwortung der Russischen Föderation gegenüber ihren Staatsbürgern deutscher Abstammung, gegenüber dem Andenken an die Bürger und Völker Russlands, die den politischen Repressionen zum Opfer gefallen sind, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um die Folgen dieser stalinistischen Repressionen endgültig zu überwinden.”

Neben der Etablierung der Selbstorganisation stellte Martens zwei weitere Tätigkeitsrichtungen – das Projekt “Partnerschaften” und die Intensivierung der Kinder- und Jugendarbeit – in den Mittelpunkt der gemeinsamen Bemühungen, wobei der sprachlichen und ethnischen Komponente bei der Durchführung von Veranstaltungen in den Begegnungszentren und insbesondere bei der Jugendarbeit mehr Bedeutung zukommen solle.

Daran knüpfte Dr. Christoph Bergner an, indem er die Begegnungszentren als “Netzwerk der ethnischen Identität” bezeichnete. “Die Begegnungszentren sind ein Stück Heimat für die Russlanddeutschen geworden; sie sollen erhalten und gefördert werden”, so der Aussiedlerbeauftragte, der weiter erklärte: “Ich freue mich, dass sich Deutschland und Russland zu ihrer gemeinsamen Verantwortung gegenüber den Russlanddeutschen bekennen. Wir begrüßen, dass mit dem Föderalen Zielprogramm zur Stärkung der kulturellen Identität der Deutschen in Russland beigetragen und damit aktive Minderheitenpolitik gemäß dem Rahmenübereinkommen des Europarates geleistet wird.”

Auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, begrüßte das von Russland verabschiedete Föderale Zielprogramm zugunsten der Russlanddeutschen, bemerkte aber: “Wir sollten diese Konferenz zum Anlass nehmen, an die Regierung der Russischen Föderation zu appellieren, die Russlanddeutschen endlich – 62 Jahre nach Kriegsende! - faktisch zu rehabilitieren und sie nicht nur auf dem Papier von den Vorwürfen freizusprechen, die ihnen in dem verhängnisvollen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion vom 28. August 1941 gemacht wurden und die dazu führten, dass sie zu Hunderttausenden zu Opfern der Deportation wurden.”

Zur Bedeutung der Konferenz führte Fetsch aus: “Mit meiner Teilnahme stelle ich mich ganz bewusst hinter die Ziele dieser Konferenz und befürworte noch einmal die Prinzipien unserer Zusammenarbeit, wie sie in dem Projekt ‘Brückenpfeiler' formuliert und durch die Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommens zwischen dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur, dem Jugendring der Russlanddeutschen und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland bestätigt wurden. Eine Stärkung der Brückenfunktion der Deutschen aus Russland und die Einbeziehung der in Russland und den anderen Herkunftsgebieten lebenden Deutschen in den Ausbau der Beziehungen zwischen Deutschland und der GUS kann für uns alle nur von Nutzen sein. Eine Intensivierung unserer Zusammenarbeit wird gerade auch für die jüngeren Deutschen aus Russland von Nutzen sein.” (mehr dazu...)

Edwin Grieb mit dem Orden
„Ehrenzeichen Sergej Juljewitsch Witte“ ausgezeichnet

Ein besonders ergreifender Höhepunkt des Kongresses war die feierliche Zeremonie der Auszeichnung mit dem Orden „Ehrenzeichen Sergej Juljewitsch Witte “ , der vom IVDK für besondere Verdienste bei der Wiedergeburt der national-kulturellen Identität der Russlanddeutschen sowie bei der Erweiterung und Festigung der deutsch-russischen Zusammenarbeit gestiftet wurde.

Als Erster wurde mit dem Witte-Orden Edwin Grieb, stellvertretender Vorsitzender des IVDK und Vorsitzenden der Gesellschaft „Wiedergeburt“ der Stadt Solikamsk, ausgezeichnet, der maßgebend zum Erstarken der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen und zur Entwicklung der Selbstorganisation der Russlanddeutschen in seiner Region und landesweit beigetragen hat.

Grieb wurde 1924 in der Südukraine in der Familie eines Lehrers geboren. Im Zuge der Deportation kam er in die Arbeitsarmee im Gebiet Solikamsk - die Stadt wurde zu seiner zweiten Heimat, dort arbeitete er lange Jahre im Solikamsker Kombinat für Baumaterialien.

Seit 1990 ist Edwin Grieb Vorsitzender der Wiedergeburt-Organisation der Stadt Solikamsk. Im deutschen Kulturzentrum von Solikamsk, das landesweit durch seine Aktivitäten bekannt ist, laufen Sprachkurse, eine Schachschule, ein Frauen-, Senioren- und Jugendclub, es werden traditionelle deutsche Feste gefeiert, Tage der deutschen Kultur und Sprachlager für Kinder und Jugendliche durchgeführt.

Durch langjährige Partnerschaftsbeziehungen mit Firmen und Schulen in der Schweiz, in Deutschland und Österreich ist es Grieb gelungen, das Kulturzentrum technisch auszustatten, Jugendaustausch zu organisieren und die eigene Bibliothek ebenso wie die Schulen und Hochschulen der Stadt mit deutschen Büchern zu versorgen. Es werden Musikgruppen und Sänger aus Deutschland eingeladen, während die Musiker, Chorleiter und Choreographen aus Solikamsk Erfahrungen in Deutschland sammeln.

Viel Wert legt Grieb auf die Zusammenarbeit mit Behörden und Institutionen der Stadt und des Gebietes. „In meiner alltäglichen Arbeit habe ich verstanden, dass wir die Deutschen niemals bevorzugen sollen. Wir leben in Russland, wo viele Nationalitäten zu Hause sind. Wir Russlanddeutschen können keine außergewöhnlichen Rechte für uns einfordern“, sagt er

Das heißt allerdings nicht, dass das Leid, das den Russlanddeutschen zugefügt wurde, in Vergessenheit geraten soll. Dafür steht Grieb mit seiner ganzen Autorität. Eines der jüngsten Projekte der „Wiedergeburt“ Solikamsk ist die dreibändige Dokumentation „Die Deutschen im Kama-Gebiet. 20. Jahrhundert“, die tief in die dunkle Vergangenheit des Roten Terrors nach der Oktoberrevolution und die grausame Realität des Gulags im Gebiet Perm zurückgreift.

Trotz seiner landesweiten Bekanntheit ist Edwin Grieb auf dem Boden geblieben – bescheiden und eher auf Taten denn auf Worte bedacht. Und so wundert es nicht, dass er zu seiner Auszeichung sagt: „Wir sind nicht mit Ehrungen verwöhnt worden. Das Wichtigste ist nicht die Auszeichnung, sondern das, was man tut.“

Info:
Sergej Juljewitsch Witte (geb. 1849 in Tiflis, gest. 1915 in St. Petersburg) war ein russischer Unternehmer und Staatsmann. Man findet unter den großen Staatsmännern Russlands kaum eine zweite derart herausragende und charakterstarke und gleichzeitig so komplizierte und widersprüchliche Persönlichkeit wie Sergej Witte. Seine Vorfahren väterlicherseits stammten aus Holland; sie übersiedelten in das Baltikum und wurden Mitte des XIX. Jahrhunderts in den Erbadel erhoben. Witte studierte Mathematik in Odessa; dort begann er seine Laufbahn, die ihn vom untergeordneten Kanzleibeamten bis hinauf zum Finanzminister führte. In den für Russlands Schicksal kritischen Jahren um 1900 wurde er Vorsitzender des Ministerkomitees und anschließend 1905 der erste Regierungschef Russlands. Er verfocht liberale Ideen und modernisierte die russische Wirtschaft, trug maßgebend zur Umsetzung einer neuen Eisenbahnpolitik Russlands bei, verlangte eine stärkere Industrialisierung der Wirtschaft und forcierte den Bau der Transsibirischen Eisenbahn.

Kooperationsabkommen der Landsmannschaft mit
regionalen Organisationen der Russlanddeutschen in Russland unterzeichnet

Zur Teilnahme an dem Forum waren als Vertreter der Landsmannschaft außer Adolf Fetsch und seinen Bundesvorstandskollegen Leontine Wacker, Waldemar Axt und Lilli Bischoff auch sechs Vertreter von Landes- und Ortsgruppen eingeladen, die bereits Partnerschaften mit regionalen Strukturen des IVDK aufgebaut haben oder kurz vor dem Abschluss von Partnerschaftsabkommen standen.

Beleg für das lebhafte Interesse am Eingehen von Partnerschaften zwischen Gliederungen der Landsmannschaft und regionalen Organisationen der Russlanddeutschen in Russland war die hohe Beteiligung an der Arbeitsgruppe, die dem Thema “Partnerschaften – Initiativen in Russland und Deutschland” gewidmet war. Unter der Leitung der Moderatorinnen Ludmila Kopp , Projektleiterin der Landsmannschaft, und Sofia Wenzel vom koordinationsmethodischen Zentrum des IVDK wurden in der Arbeitsgruppe verschiedene Aspekte der Partnerschaftsarbeit diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und Vorschläge gesammelt.

Waldemar Axt Berichte Reden Interviewste über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, ihre Aufgaben und Tätigkeitsbereiche. Vertreter des Jugendringes der Russlanddeutschen mit der stellvertretenden Vorsitzenden Olga Hartmann stellten erfolgreiche Partnerschaftsprojekte des Jugendringes vor, während Ivan Kasper aus Ufa mit einem Film das Beispiel einer erfolgreichen Partnerschaft zwischen Schulen in Ufa und Halle/Saale illustrierte.

Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Partnerschaftsorganisationen in Deutschland und Russland wurden fünf Kontaktpersonen empfohlen, die in einem Forum zusammenarbeiten werden. Die Landsmannschaft ist darin durch Waldemar Axt, Lilli Bischoff und Ludmilla Kopp vertreten, der IVDK durch Sofia Wenzel und der Jugendring der Russlanddeutschen durch Olga Hartmann.

In feierlicher Atmosphäre wurden am 31. Oktober sechs Kooperationsabkommen unterzeichnet, die gemeinsam ausgearbeitet worden waren:

- Landesgruppe Niedersachsen (Lilli Bischoff) und Deutsches Kulturzentrum Gebiet Tjumen (Natalja Matschuga);
- Landesgruppe Baden-Württemberg (Leontine Wacker) und Regionales Bildungs- und Kulturzentrum Gebiet Swerdlowsk, Nischnij Tagil (Valerij Dell);
- Kreis- und Ortsgruppe Stuttgart (Ludmilla Holzwarth) und Deutsches Kulturzentrum “Hoffnung” Samara (Irma Belenina);
- Ortsgruppe Halle/Saale (Olga Ebert) und NKA der Deutschen der Republik Baschkortostan Ufa (Ivan Kasper);
- Kreis- und Ortsgruppe Augsburg (Juri Heiser) und Deutsches Kulturzentrum Solikamsk, Gebiet Perm (Edwin Grieb);
- Kreis- und Ortsgruppe Offenburg/Ortenaukreis (Georg Stößel) und NKA der Russlanddeutschen der Republik Komi (Oleg Strahler).

Diese Partnerschaftsabkommen sollen den Weg für einen direkten Informations-, Kultur- und insbesondere Jugendaustausch ebnen.

Es war ein festlicher Akt nicht nur für die Vertreter der Landsmannschaft und ihre Partner aus den Regionen, sondern auch für Dr. Bergner, der den Teilnehmern zur Geburt der Partnerschaften gratulierte. “Für mich als Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ist es ein besonders bewegender Augenblick, Russlanddeutsche als Aussiedler in Deutschland und Russlanddeutsche als nationale Minderheit in Russland zusammenzuführen. Bei solchen Treffen merkt man besonders, wie wichtig und gefährdet die Verbindung zwischen den Russlanddeutschen in beiden Ländern ist”, sagte er mit Blick auf Fragen und Wünsche aus dem Saal, die hauptsächlich Erleichterungen für Besuche der Verwandten in beiden Ländern betrafen.

Anschließend reisten einige Vertreter der Landsmannschaft in die Partnerregionen, um sich dort über die Möglichkeiten der weiteren Partnerschaftsentwicklung zu informieren. Georg Stößel beteiligte sich u.a. mit einer Fotoausstellung an den Feierlichkeiten in Syktywkar anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der National-Kulturellen Autonomie der Deutschen in der Republik Komi.
Waldemar Axt, Lilli Bischoff und Dr. Alfred Eisfeld besuchten das Wolgagebiet.

 

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