|

An vielen Orten war die Landsmannschaft bei der Interkulturellen Woche mit dabei
An der bundesweiten Interkulturellen Woche, die jährlich Ende September vor dem Erntedankfest stattfindet, beteiligten sich diesmal mit dem Motto „Teilhaben - Teil werden!“ rund 200 Städte mit insgesamt etwa 3.000 Veranstaltungen. Die Landsmannschaft war mit zahlreichen Aktivitäten auch stark mit dabei.
Die „Woche“ ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird von den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten, Ausländerbeauftragten und deutsch-ausländischen Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. Bundesweit konnten auch Ortsgruppen und Projekte der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland die aus ihrer alten Heimat mitgebrachten kulturellen Traditionen in die Vielfalt der Woche einbringen. Hier nur einige Beispiele.
Landsmannschaftliche Wanderausstellung in Stendal und Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
Beide Veranstaltungen wurden zu einem Höhepunkt der Interkulturellen Woche durch die Teilnahme von Dr. Christoph Bergner, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen. Trotz der Tatsache, dass die meisten Aussiedler in den Arbeitsmarkt, den Vereinen, die Nachbarschaft und das kommunale Leben integriert sind, existieren immer noch Vorbehalte, Vorurteile und Misstrauen, die vor allem aus Unkenntnis herrühren, so Bergner. Die Ausstellung und die Begleitbroschüre sollen zur Aufklärung beitragen: „Viele Fragen werden beantwortet, wenn wir uns mit der Geschichte dieser Volksgruppe beschäftigen.“ Neben der Forderung, die deutsche Sprache zu lernen und zu pflegen, betonte der Aussiedlerbeauftragte, dass niemand deshalb die russische Sprache vergessen sollte. „Niemand hat so viele kulturellen Erfahrungen wie Sie mit den ehemaligen Völkern der Sowjetunion.“

Die Abschlussveranstaltung in Stendal war eine gemeinsame Aktion mit dem Stendaler Klub „Amicus“, der ein buntes Kulturprogramm zu seinem 10-jährigen Bestehen zeigte. Der Leiter Viktor Schellert begrüßte die Gäste, die Vertreter der Stadt und des örtlichen Integrationsnetzwerkes.
Auch bei der Eröffnung der Ausstellung in der Martinikirche in Halberstadt wurde ein unterhaltsames Rahmenprogramm aus Musik, Gesang und Tanz angeboten, das vorwiegend vom Wittenberger Integrationsprojekt „Integrieren statt ignorieren!“ (Projektleiterin Pauline Wiedemann) gestaltet wurde. Der Chor stimmte die Gäste mit deutschen, russischen und ukrainischen Volksliedern ein. Die Mädchentanzgruppe erfreute mit russischen und orientalischen Tänzen. Und zahlreiche Begegnungen und Gespräche am Rande der Ausstellung waren ein Beitrag dazu, einander näher zu kommen, zu verstehen und zu helfen.

Neubrandenburg: Zeigen, wie vielfältig und verschieden die Menschen sind
In Neubrandenburg beteiligten sich die Kreisgruppe Strelitz der Landsmannschaft (Vorsitzende Luise Breider) sowie die landsmannschaftlichen Projekte „FIZZ“ (Projektleiter Anatoli Breider) und „OPEN PLAY AKTION INTEGRATION“ (Projektleiterin Dr. Ludmila Kopp), beide gefördert durch das BAMF, maßgeblich an der Eröffnung der Interkulturellen Woche am 23. September in der Neubrandenburger Friedenskirche. „Wir sind hier um zu feiern, dass Menschen so vielfältig und verschieden geschaffen sind“, sagte Pastor Matthias Leibach beim Eröffnungsgottesdienst. Man sei da, um einander zuzuhören, wo Teilhabe misslingt und wo sie gelingt. Zusammen mit verschiedenen Partnern wie der Friedenskirche, der AWO, dem DRK, den Maltesern und dem soziokulturellen Bildungszentrum schuf die Landsmannschaft einen bereichernden Eröffnungsrahmen einer vielfältigen Interkulturellen Woche.

Dafür, dass die Teilhabe durchaus gelingen kann, auch wenn es viel Mühe und Zeit kostet, ist gerade die Landsmannschaft in Strelitz und Neubrandenburg ein gutes Beispiel. Davon konnten sich auch die zahlreichen Gäste der „Woche“ überzeugen. Zum Auftakt stellte Ludmila Kopp die beiden Projekte vor, die dann auch die beste Gelegenheit hatten, sich hautnah zu präsentieren und eine heitere Stimmung auf dem Kolonadenhof der Friedenskirche zu schaffen.

Mitglieder der Kreisgruppe Strelitz spielten mit Herz und in üppigen, selbst geschneiderten Kostümen Puschkins Märchen - die Inszenierungen versetzten die Gäste in eine Welt voller Musik und Fantasie. Die Tanz- und Theatergruppe der Landsmannschaft gehört inzwischen unzertrennlich zur Kulturlandschaft der Stadt. Die prachtvolle Kostüme und schöne Dekorationsstücke fertigten die Teilnehmer selbst unter der Anleitung von Elena Riediger und Lubow Morosow an. Und die Darsteller Alexander und Larissa Gisbrecht, Anatolij Viznuk, Julia Fischer, Inna Buschkow, Larissa und Oxana Köln, Galina Hamm, Tatjana Nagrelli, Galina Skarednow , Waldemar Hamm, Lubow Algajer, Maria Seifried, Marina Kabanow und Lubow Morosow führten unter der Regie von Dr. Larissa Iserlis und der Choreografin Alevtina Gamm mit Begeisterung Szenen aus den Märchen vor. Die 13-jährige Margarita Alberti präsentierte sich souverän bei der Modenschau. Zum Schluss traute sich noch Vorschulkind Nelly Viznuk auf die Bühne – rezitierte und sang in Englisch und Deutsch. Und von den Zuschauern gab es begeisterten Beifall für die Akteure. Die Veranstaltung moderierte Sylvia Holzapfel von der DRK-Migrationserstberatung. Auch das kommende Weihnachtsfest will die Landsmannschaft zusammen mit dem DRK durchführen.

Anschließend bot die Landsmannschaft eine kulinarische Reise in die Herkunftsländer mit russischen und russlanddeutschen Leckereien wie Piroggen, Pelmeni und viel mehr an. Dies alles wurde in einem prachtvoll gestalteten Märchenzelt angeboten. Für einen Kuchenbazar sorgte die Familie Ratz - Alexander, Ljubov und Darja. Auch eine Gruppe von Kindern wirkte an kulinarischen Ständen mit und erteilte den Gästen im perfekten Deutsch Auskunft über die ausgestellten Gerichte, die ihre Mütter liebevoll zubereitet hatten. Zwar konnten die meisten Kinder die auf Russisch beschrifteten Schilder nicht lesen, aber die Kommunikation auf Russisch mit den Eltern und auf Deutsch mit Freunden und Besuchern lief reibungslos.

Die Arbeit der Ortsgruppe Strelitz, die sich in den mecklenburgischen Städten Neubrandenburg und Friedland bereits etabliert hat, könnte sich ohne Unterstützung von einheimischen Verbänden und Einrichtungen nicht in diesem Maße entwickeln. Ein besonderer Dank geht in diesem Zusammenhang an den Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Mecklenburg-Strelitz e.V. Günter Jeschke. In den Caritas-Räumlichkeiten wird für die Veranstaltungen geprobt, es werden Kostüme geschneidert und Dekorationen gemalt.

|