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“Es ist nötig, daran zu erinnern, wie tief das Leid war!”
Feier zum Gedenken an die Vertreibung der Russlanddeutschen in Friedland

Nach der Kranzniederlegung an der Friedlandglocke (von links):
Pastor Martin Steinberg, Frieda Dercho (Ortsgruppe Osnabrück),
Sergej Köhler (Ortsgruppe Braunschweig), Marta Braun (Ortsgruppe Wolfsburg),
Rudolf Götz MdL, Lilli Bischoff (Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen),
Leontine Wacker (stellvertretende Bundesvorsitzende) und Jochen-Konrad Fromme MdB.
Auf dem Gelände des Grenzdurchgangslagers Friedland, das bis zum heutigen Tag für die deutschen Vertriebenen und Aussiedler Symbol des Neubeginns ihres Lebens in der Bundesrepublik Deutschland geblieben ist, fand am 1. September die Gedenkfeier der Landsmannschaft anlässlich des 66. Jahrestages der Vertreibung der Russlanddeutschen nach dem Erlass des Obersten Sowjets der Sowjetunion vom 28. August 1941 statt.
Die Organisation der Feier lag in den Händen der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft, deren Vorsitzende Lilli Bischoff in ihrer Begrüßung ihre tiefe Verbundenheit mit den Opfern der Vertreibung zum Ausdruck brachte. Um die Deutschen aus Russland zu verstehen und ihre Akzeptanz durch die einheimische Bevölkerung zu fördern, sei es nötig, immer wieder auf das schwere Schicksal der Russlanddeutschen aufmerksam zu machen.
Der Friedländer Pastor Martin Steinberg hatte für sein Eröffnungsgebet den beziehungsreichen Psalm 126 ausgewählt, in dem es heißt: “Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Seligkeit, und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: der Herr hat Großes an ihnen getan!”
Bei der Andacht vor der Friedlandglocke.
Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Leontine Wacker, begrüßte in ihrer Ansprache besonders herzlich diejenigen ihrer Landsleute, “für die der 28. August 1941 nicht nur ein historisches Datum markiert, sondern vor allem auch den tragischen Höhepunkt ihres eigenen Leidensweges, der sie und ihre Angehörigen in den schrecklichen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu Opfern der stalinistischen Verfolgung und Vernichtung in der ehemaligen Sowjetunion machte”.
“Diese Landsleute”, so Leontine Wacker weiter, “haben am eigenen Leib erfahren müssen, was dieser Erlass für unsere Volksgruppe bedeutete, der die in der Wolgarepublik lebenden Deutschen zwei Monate nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges am 22. Juni 1941 ohne jeden Grund pauschal der Kollaboration mit Deutschland bezichtigte.”

Der Chor der landsmannschaftlichen Ortsgruppe Wolfsburg.
Der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jochen-Konrad Fromme, betonte, dass es für diese Gedenkfeier keinen besseren Ort geben könne als Friedland. Mit ihrer Feier unterstreiche die Landsmannschaft die Notwendigkeit, daran zu erinnern, wie tief das Leid der vertriebenen Russlanddeutschen war.
Der Respekt vor diesem Leid verbiete es auch heute noch, die kollektive Anerkennung des kollektiven Kriegsfolgenschicksals der Volksgruppe durch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland in Frage zu stellen.
Einige Demonstranten machten am Rand der Gedenkfeier
auf Familientrennungen aufmerksam, zu denen es auch heute noch kommt.
Fromme betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die allermeisten Spätaussiedler gut in die Gesellschaft integriert hätten, weshalb es nicht zulässig sei, sie über negative Einzelfälle zu definieren, wie dies leider allzu oft in den Medien geschehe. Aufgabe der Politik sei es, den weiteren Erfolg der Integrationsarbeit durch verlässliche Rahmenbedingungen zu garantieren.
Die Notwendigkeit, gemeinsam die Erinnerung an die Geschichte aufrecht zu erhalten und diese an die gegenwärtige Generation zu vermitteln, betonte auch der Beauftragte der Niedersächsischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Götz.
Die Festrede hatte der Innenminister der Landes Niedersachsen, Uwe Schünemann, übernommen. Er begrüßte es, dass die Gedenkfeier der Landsmannschaft zum ersten Mal in Niedersachsen stattfand, und dankte der Landesgruppe Niedersachsen für die gute Zusammenarbeit und ihr vorbildliches Engagement im Dienste der Integration der Deutschen aus Russland.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann hielt die Festrede.
Der 28. August 1941, so Schünemann, stehe für den verbrecherischen Gewaltakt des kommunistischen Regimes der damaligen Sowjetunion. Vom Ausmaß der Verfolgungen und des Leids habe er sich durch erschütternde Erzählungen von Trudarmisten bei einem Besuch in Kasachstan ein Bild machen können. Menschen seien damals bestraft worden, die nichts mit dem Krieg zwischen Hitlerdeutschland und der Sowjetunion zu tun hatten. Nicht zuletzt deshalb sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass das Land Niedersachsen zu seiner historischen Verantwortung den Deutschen aus Russland gegenüber stehe
Zum Abschluss der Feierstunde wurden Grußworte des Aussiedlerbeauftragten der Hessischen Landesregierung, Rudolf Friedrich, und der Aussiedlerbeauftragten der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Editha Lorberg, verlesen, während Frieda Dercho, Vorsitzende der Ortsgruppe Osnabrück der Landsmannschaft, ein Gedicht über den Erlass vom 28. August 1941 rezitierte. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Chor der Ortsgruppe Wolfsburg, ein Jugend-Blasorchester aus Wolfsburg sowie Christina Hein, die ihr Lied zur Geschichte der Russlanddeutschen a capella sang.
Gemeinsam mit Lilli Bischoff legte Uwe Schünemann anschließend einen Kranz an der Friedlandglocke nieder, ehe die Teilnehmer nach guter landsmannschaftlicher Tradition gemeinsam “Großer Gott, wir loben dich” und die deutsche Nationalhymne sangen.

Eduard Deibert, der in der ehemaligen Sowjetunion zu den engagiertesten Kämpfern
für die Ausreise der Russlanddeutschen gehörte, mit Christina Hein,
die ihr Lied “Ein schöner Tag” zur Geschichte der Volksgruppe vortrug.
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