|

Dialog mit Nachbarn suchen
Dr. Christoph Bergner eröffnete die Wanderausstellung in Halle/a.d. Saale

iDr. Bergner im Kreise der jungen Ausstellungsbesucher
Während der Eröffnung der Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ im historischen Stadthaus der Stadt Halle an der Saale traf sich Dr. Christoph Bergner, MdB, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern (Berlin) und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen, mit Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Die zahlreich erschienenen Einheimischen und Aussiedler wurden von Dagmar Szabados, Bürgermeisterin der Stadt Halle, herzlich begrüßt. Sie bedankte sich bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., dass die Wanderausstellung „hierher gebracht wurde“ – in eine Stadt, die 1200 Jahre ihres Bestehens feiere und weltoffen sei. Die Bürgermeisterin betonte in ihrer Grußrede die entscheidende Bedeutung der deutschen Sprache sowie die Bemühungen der Stadt für die soziale und berufliche Integration der Neubürger aus der ehemaligen Sowjetunion. Unter anderem lobte sie den Verein „Slawia“ als Beispiel gelungener Integration.
Ein Baum habe Wurzeln; wenn er neu verpflanzt werde, müsse er einen guten Boden dafür haben. Halle biete den Neubürgern die Möglichkeit, ihre Kulturtraditionen weiterleben zu können, so Dagmar Szabados. Heimat sei da, wo man geliebt und verstanden werde, meinte sie. An den neuen Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Bergner, überreichte sie einen zweisprachigen (deutsch-russisch) Wegweiser für Neubürger.
Dr. Christoph Bergner referierte über die Notwendigkeit einer verstärkten Aufklärungsarbeit zur Geschichte der Russlanddeutschen und ihrer Integrationsproblematik. „Integration setzt auch voraus, das Schicksal der Leute zu kennen: Russlanddeutsche waren Opfer von zwei Diktatoren: Hitlers und Stalin“. Und er appellierte an die Deutschen aus Russland: „Sie, als Aussiedler, müssen den Dialog mit den Nachbarn suchen! Bringen sie sich aktiv in die Gesellschaft ein.“
Er versicherte unter anderem, dass er alles daran setzen werde, dass die „Tür für Deutsche aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland offen bleibt“. Wichtig sei, dass nach dem neuen Zuwanderungsgesetz die Aufnahme mit der Integrationsperspektive verbunden se. „Die deutsche Sprache ist die Bedingung der Integration!“, so Dr. Bergner. Auch die berufliche Eingliederung sei wichtig. Da er auch bundesweit für den Sport zuständig ist, will er das Programm „Integration durch Sport“ weiterhin unterstützen.
Der Aussiedlerbeauftragte betonte auch die Brückenfunktion der Russlanddeutschen zwischen ihren Herkunftsländern und Deutschland. Zum Schluss zitierte er aus dem Gedicht der russlanddeutschen Autorin Rosa Pflug über das Schicksal der Russlanddeutschen: „Mit Russland im Herzen, mit Deutschland im Sinn!“
Nach der feierlichen Eröffnung der Wanderausstellung nahm sich Dr. Bergner Zeit für persönliche Gespräche mit Aussiedlern, die einige Stunden bis spät in den Abend dauerten. Dutzende Landsleute nutzten die Möglichkeit, ihre Probleme mit dem Beauftragten der Bundesregierung vertraulich zu besprechen.
Musikalisch wurde der Abend von Eduard Frickel und Jakob Fischer (moderierte auch die ganze Veranstaltung) sowie den Musikern und Sängern (Kinder- und Jugendgruppen) des Vereins „Slawia“ aus Halle umrahmt. Gleichzeitig wurde die Landsmannschaft vorgestellt. Frau Dr. Kopp erklärte die Ziele des Vereins und warb sachlich für seine Aktivitäten.
Viele Anwesenden nahmen an den Führungen durch die Ausstellung teil und nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Geschichte der Deutschen in Russland bzw. der Sowjetunion zu stellen. Es kam zu zahlreichen Gesprächen im Ausstellungsraum mit dem Projektleiter Josef Schleicher.
Erna Merk, geb. Weibert, wurde als zehnjähriges Kind aus dem Heimatdorf Dinkel an der Wolga nach Nord-Kasachstan deportiert. Zur Zeit ist sie mit ihrer Familie in Halle an der Saale zu Hause. „Aber die Erinnerungen an den Ort, wo meine Wiege stand, sind immer wach“, sagte die Seniorin, als sie durch die Ausstellung ging. „Ja-ja, das alles haben wir erlebt!“
Irina Höppner, die aus Omsk nach Halle kam, gehört seit 1998 zu einem einheimischen Wanderverein. Bis zu zehn Aussiedlern machen jedes Wochenende mit, wenn der Wanderverein sich auf den Weg durch die schöne Gegend macht. „Die neue Heimat kennenzulernen, ist auch Integration“, meinte sie.
|