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Presseerklärung

Integration der Deutschen aus Russland - eine Erfolgsgeschichte
Interview des Vorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Adolf Fetsch (August 2007)

Im Vorfeld des Integrationsgipfels der Bundesregierung gingen bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland eine Reihe von Interviewwünschen seitens Pressemedien und Rundfunkanstalten ein. Nachstehend das Interview, das der Bundesvorsitzende Adolf Fetsch dem Deutschen Depeschendienst gegeben hat:

ddp: Ist Ihr Verband an dem Treffen am vergangenen Wochenende in Nürnberg (“Bundesweiter Kongress der russländischen Landsleute”; Anm. d. Red.) beteiligt gewesen oder war dieser Gipfel russischen resp. russischsprachigen Zuwanderern vorbehalten?

Fetsch: Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hat sich an dieser Veranstaltung nicht beteiligt, da wir Menschen vertreten, die als Deutsche nach Deutschland gekommen sind und sich hier als solche integrieren wollen. Gleichzeitig betonen wir aber immer wieder, dass die russischen Sprachkenntnisse unserer Landsleute ein wertvolles Gut darstellen, das ihnen unter anderem auch bei ihrem beruflichen Fortkommen von Nutzen sein kann.

ddp: Wie bewerten Sie die Situation der Russlanddeutschen vor dem Integrationsgipfel?

Fetsch: Die Angehörigen der zweiten und dritten Generation der deutschen Aussiedler und Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion haben sich – wie aus zahlreichen Statistiken und Untersuchungen hervorgeht – in vorbildlicher Weise integriert. Sie sind nicht zuletzt dank ihrer sehr günstigen Altersstruktur, ihres Kinderreichtums und ihrer ausgeprägten Leistungsbereitschaft ein Gewinn für dieses Land. Ohne jede Übertreibung dürfen wir die Integration dieser Menschen als Erfolgsgeschichte bezeichnen.

In gleicher Weise wurde unseren Landsleute von mehreren Studien bescheinigt, dass gewisse Integrationsschwierigkeiten der in den letzten Jahren nach Deutschland gekommenen Spätaussiedler aus der GUS lediglich vorübergehender Natur sind. Umso bedauerlicher ist der Umstand, dass das Thema Spätaussiedler in weiten Kreisen der Politik nach wie vor ein Tabuthema zu sein scheint und wir allzu oft im Regen stehen gelassen werden, wenn wieder einmal ein einseitiger, negativer und unsachlicher Bericht über Deutsche aus Russland in den Medien erschienen ist. Berichte Reden Interviews, die nicht nur nach unserer Auffassung von Aussiedlerfeindlichkeit gekennzeichnet sind, die genauso verwerflich ist wie Ausländerfeindlichkeit.

ddp: Ist die Bundesregierung mit ihrem Integrationskonzept auf dem richtigen Weg? Gibt es von Ihrer Seite ernsthafte Kritikpunkte?

Fetsch: Zentraler Bestandteil des Integrationskonzepts der Bundesregierung ist und bleibt das Zuwanderungsgesetz, gegen das wir uns von Anfang an vehement gewehrt haben, ohne es in den Teilen, die sich auf Spätaussiedler beziehen, grundsätzlich verhindern zu können. Wir haben immer betont, dass unsere Landsleute nicht in ein Gesetz gehören, das sich ausdrücklich auf die Integration von EU-Bürgern und Ausländern bezieht. Deutsche aus Russland gehören jedoch zu keiner dieser Gruppen; laut Artikel 116 des Grundgesetzes handelt es sich bei ihnen vielmehr um Deutsche. Eine Auffassung, die im Übrigen von allen maßgeblichen Parteien des Deutschen Bundestages getragen wird.

Wie von der Landsmannschaft befürchtet und vorhergesagt, kam es infolge des Zuwanderungsgesetzes zu einem drastischen Rückgang der Spätaussiedlerzahlen, so dass man beinahe von einer stillschweigenden Beendigung der Ausreise reden kann.

Den Hauptgrund für diese Entwicklung sehen wir in der Übertonung deutscher Sprachkenntnisse im Spätaussiedleraufnahmeverfahren, wodurch die Tatsache ignoriert wird, dass es den Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion ab 1938, spätestens aber seit 1941 – nach dem Beginn des deutsch-sowjetischen Kriegs - nicht mehr möglich war, ihre deutsche Muttersprache öffentlich zu benutzen und – da sämtliche deutschen Schulen und Einrichtungen geschlossen wurden und die Deportation der deutschen Volksgruppe ihrem Höhepunkt zustrebte - zu pflegen, ohne mit erheblicher Diskriminierung rechnen zu müssen.

Diese Auffassung hat jedoch nichts damit zu tun, dass wir den Erwerb deutscher Sprachkenntnisse als eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen der Integration unserer Landsleute hier in Deutschland betrachten. Umso bedauerlicher ist es deshalb, dass die Dauer der integrativen Sprachkurse seit Jahren systematisch heruntergefahren wird.

ddp: Wie bewerten Sie die anhaltende Kritik türkischer Einwandererverbände am Zuwanderungsgesetz? Ist diese berechtigt?

Fetsch: Es gehört nicht zu unserem Verständnis von Solidarität, uns über die Berechtigung bzw. Nichtberechtigung der Kritik anderer Zuwanderergruppen zu äußern. Wir bedauern es allerdings, dass angesichts der Diskussionen über diese Kritik die Anliegen der von uns vertretenen Menschen in der allgemeinen Berichte Reden Interviewsrstattung viel zu kurz kommen.

ddp: Wie viele Menschen in Deutschland vertritt Ihr Verband resp. wie viele gehören zu der Gruppe der Deutschen aus Russland?

Fetsch: In den Jahren seit 1950 sind knapp 2,4 Millionen Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion als Aussiedler bzw. Spätaussiedler in die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Hinzu kommt eine nicht genau zu beziffernde Anzahl von Flüchtlingen der Nachkriegsjahre sowie von Landsleuten, denen die Ausreise in die damalige DDR ermöglicht wurde. Gegenwärtig geht die Landsmannschaft davon aus, dass sie rund 2,8 Millionen Deutsche aus Russland vertritt.

 

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