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Literaturkreis der Deutschen aus Russland

Das Eigene und das Fremde kennen lernen - russlanddeutsche Autoren treten aus ihrem eigenen Schatten Literaturkreis der Deutschen aus Russland vor zehn Jahren gegründet
Durch enge Zusammenarbeit in Projekten wollen der Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. (Vorsitzende Agnes Giesbrecht) und der Geest-Verlag (Alfred Büngen, Vechta-Langförden) den Austausch zwischen den Neubürgern und den bundesdeutschen Bürgern fördern. Das soll nicht nur ein besseres gegenseitiges Verstehen erbringen, sondern auch zur Bekanntmachung der Literatur von deutschen Autoren aus der ehemaligen Sowjetunion beitragen. Eben ist im Geest-Verlag das Buch „Kindheit in Russland“ erschienen. Damit wollen die russlanddeutschen Autoren vor allem in den Schullesungen die Kindheitswege der Russlanddeutschen zeigen und für besseres Verständnis der Mentalität der Russlanddeutschen und bessere Akzeptanz werben.
Mit dieser beiderseits förderlichen Kooperation hat der Literaturkreis der Deutschen aus Russland, der vor knapp zehn Jahren in Bonn gegründet wurde, auch geschafft, aus ihrem eigenen Schatten herauszutreten. Zu Beginn waren es 14 Autoren aus der ehemaligen Sowjetunion, die gerne zum Literaturcafe nach Bonn kamen und ihre neuen Schöpfungen präsentierten. „Es war ein Versuch, das kulturelle Vakuum für die russlanddeutschen Autoren zu füllen, Gleichgesinnte zu finden und ihnen die Integration in Deutschland zu erleichtern“, sagt die engagierte Vorsitzende und Dichterin Agnes Giesbrecht. Jetzt gehören zum Literaturkreis 62 Autoren aus drei Generationen, die aus verschiedenen Nachfolgestaaten der Sowjetunion kommen und in verschiedenen Städten Deutschlands leben - ein Viertel davon sind junge Russlanddeutsche.
Zweimal im Jahr versammeln sich die deutsch- und russischschreibenden Autoren zu Literaturseminaren - vorwiegend in der Heimvolkshochschule in Oerlinghausen (Leiter Dr. Johannes Müller), aber auch in Bonn oder Unna-Massen. Dabei haben immer Viktor Heinz und Wendelin Mangold tatkräftig mitgeholfen, die zum deutschen Redaktionsteam gehören, sowie Anatoli Steiger, Alexander Reiser und in der letzten Zeit Svetlana Felde aus der russischen Redaktion.
Dank ihnen wurden in diesen Jahren vier „Russlanddeutsche Literaturkalender“ und sechs Almanache in Deutsch und Russisch sowie zwei Bücher mit humoristischen Kurzgeschichten („Lustiges Leben“ in Russisch und „Worüber man sich lustig macht“ in Deutsch) und ein zweisprachiges Gedichtbändchen „Spiegelungen“ als Ergebnis der Seminare für junge Autoren herausgegeben.
Auch zahlreiche Einzelbände von russlanddeutschen Autoren in beiden Sprachen sind inzwischen in dem Robert-Burau-Verlag (insgesamt über 40 Titel von russlanddeutschen Autoren) und im Geest-Verlag erschienen. Die jüngsten Publikationen sind die Bücher von Georg Gaab, Swetlana Felde, Anatoli Steiger und der Sammelband des Literaturkreises „Kindheit in Russland“ – alles im Geest-Verlag.
„Integration bedeutet für uns, auch Kontakte zu den hiesigen Autoren zu knüpfen“, sagt die Vorsitzende. Sie sorgt dafür, dass auf den Literaturabenden in Bonn fast immer auch die Bonner Autorinnen aus dem Literatur-Atelier im Frauen-Museum, aus dem Brühler Arbeitskreis freier Autoren oder aus der GEDOK vortragen: Achim Friker, Heinz Breuer (hat bereits einige Bücher lektoriert), Monika J. Mannel, Eva-Maria Liebenov u.a. Auf den Seminaren in Oerlinghausen referierten bereits die Verleger Thomas Frahm und Alfred Büngen, der Literaturkritiker aus Köln Ingmar Brantsch, der ostdeutsche Schriftsteller Friedrich Engelbert oder die Dozentin der Moskauer Universität Anna Zayak.
Dank dem Verleger des Geest-Verlages, Alfred Büngen, hat der Autorenkreis Kontakte zum Kulturverein in Mettingen und zum Verein Freier Autoren Deutschlands hergestellt. Auch die Kontakte zum Ostpreußischen Literaturkreis, dem Lev-Kopelev-Forum in Köln, dem Ostdeutschen Literaturkreis in Kiel und der Gesellschaft „Prussia“, dem Integrationsklub „Dialog“ in Bonn und dem Klub „Monolit“ in Paderborn, der bundesdeutschen Gesellschaft für Deutsche Dichtung und dem Gerhard-Hauptmann-Haus in Düsseldorf zeigen, dass die Literatur ein wesentliches Mittel sein kann, sich mit der eigenen Herkunft und mit dem neuen Leben hier auseinander zu setzen. „Ich bekam aus Stuttgart, wo ein Theaterprojekt mit Russlanddeutschen läuft, Anfragen mit der Bitte, mit Texten zu helfen. Auch Essen meldete sich, wo eine 10. Klasse Referate über russlanddeutsche Autoren schreibt,“, erzählt Giesbrecht.
Eine besonders wichtige Rolle spielen die Lesungen und Literaturveranstaltungen. Russlanddeutsche Autoren sind in den letzten Jahren in den Volkshochschulen in Hamburg, Köln, Duisburg, Rotenburg, in Ost-Instituten in Dresden und Oldenburg aufgetreten und haben in vielen Ortsgruppen der Landsmannschaft Lesungen organisiert: darunter Berlin, Hamburg, Ulm, Kassel, Fulda, Bielefeld, Köln, Wertheim und andere. Ein besonderes Ereignis waren die Lesungen auf der Buchmesse in Leipzig, in der Politischen Akademien in Straußberg bei Berlin, auf der Buchsmesse Migration in Bonn, auf „Russischen Messen“ in Osnabrück, Gießen und Bad Salzuflen.
Die Lesungen verlaufen in Deutsch und Russisch, wobei man sich bemüht, der einheimischen Bevölkerung durch das gesprochene, gesungene und geschriebene Wort die Geschichte und Probleme der Volksgruppe verständlicher zu machen und so zur Integration und zum Verstehen beizutragen. Allein 2004 wurden 30 Veranstaltungen - Lesungen und Bücherpräsentationen, drei Workshops für junge Autoren und zwei Autorenseminare in Oerlinghausen durchgeführt. Die Hälfte von ihnen ist in Kooperation mit hiesigen Vereinen und Bibliotheken zustande gekommen.
Bei der Kulturtagung der Landsmannschaft im November 2004 in Würzburg wurde ein gemeinsames Konzept mit dem Geest-Verlag unter dem Motto „Literatur in die Provinz" ausgearbeitet. „Weil in kleinen Städten, wo das kulturelle Angebot nicht so groß ist wie in Großstädten, viel mehr Leute solche Veranstaltungen besuchen. In der Bonner Umgebung kommen zu unseren Veranstaltungen 80 bis 100 Interessenten, während in Bonn wir schon mit 30 oder 40 zufrieden sind“, weiß Agnes Giesbrecht.
Darüber hinaus plant der Autorenkreis in Zusammenarbeit mit dem Verlag eine Vielzahl von Veranstaltungen in Schulen, Jugend- und Erwachseneneinrichtungen, in denen die Texte des Buches „Kindheit in Russland“ vorgestellt werden. Insbesondere an Schulen wäre es notwendig, weil hier der Integration aufgrund von Unkenntnis über die Biographien von Kindern und Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion häufig Vorurteile und Vorbehalte im Wege stehen. Bereits jetzt liegen zahlreiche Anfragen von Schulen vor. Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung solcher Schullesungen auf die russlanddeutschen Schüler selbst. Sehr viele werden dadurch die Möglichkeit erhalten, sich zum ersten Mal mit der eigenen Geschichte und der Situation der Übersiedlung, Integration und der eigenen Identität auseinander zu setzen.
Bestellungen und weitere Information bei:
Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V.
Agnes Giesbrecht - Tel./Fax 0228/314093, Email: litkreis@gmx.de
Geest-Verlag
Lange Straße 41 a, 49377 Vechta-Langförden
Tel.: 04447 – 856580
Email: Geest-Verlag@t-online.de
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