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Die Kirche von Karlsruhe in der Ukraine

Reise in die Ukraine Anfang Juni

Bauzeichnungen

Während unserer Reise in die Ukraine Anfang Juni 2007 konnten wir die frühere Kolonie Karlsruhe besuchen. Dabei ging es uns um die Erkundung der Lage um die ohne Dach dastehende katholische Kirche und das Kennenlernen des Dorfmuseums, in dem nach verschiedenen Berichten zahlreiche Exponate zur Geschichte und Kultur der Kolonie Karlsruhe ausgestellt sein sollten.

Bei einem früheren Besuch konnten wir lediglich die Kirchenruine von innen und von außen besichtigen und einige Passanten ansprechen

Der Besuch am 6. Juni 2007 war angekündigt. Vor Ort hatten wir kompetente Gesprächspartner. Die Führung im Heimatmuseum übernahm dessen Leiterin Antonina Leont’evna Mel’nickaja. Das Museum befindet sich im Obergeschoss des Kulturhauses und verfügt über mehrere Räume. Den früheren deutschen Einwohnern des Ortes ist relativ viel Platz zugeteilt worden. Es gibt Vitrinen. Die Anordnung der Exponate ist themenbezogen. Bei näherem Hinsehen muss man jedoch feststellen, dass den größten Teil aus Deutschland zugesandte Fotos, Ablichtungen von Dokumenten und Briefen sowie Publikationen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ausmachen. Vor Ort aufgefundene Gegenstände sind dagegen nicht so zahlreich, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Eine Inventarisierung nach musealen Kriterien hat nicht stattgefunden. Das Museum ist somit ausbaufähig. Vor allem sollte Wert auf das Auffinden von Originalgegenständen (z.B.: Möbel und Werkzeuge) gelegt werden. Anzustreben wäre auch die Aufnahme der vorhandenen Gegenstände in einen Gesamtkatalog „Geschichte und Kultur der Deutschen des Gebiets Nikolaev“.


Über den Zustand des Kirchengebäudes in Karlsruhe fand eine Besprechung mit dem Leiter des Wirtschaftsbetriebes „Stepovoe“, Vladimir Grigor’evič Pogorelov, und dem russisch-orthodoxen Priester Ivan Nikolaevič Michalko statt.

V. G. Pogorelov gilt als Retter des Dorfes, als bereits seit Jahrzehnten treibende Kraft sowohl der wirtschaftlichen Entwicklung als auch des Ausbaus der sozialen Struktur. Zu Sowjetzeiten wurde er mit dem Titel „Held der sozialistischen Arbeit“ ausgezeichnet.

Priester Ioann (I. N. Michalko) stammt aus dem Gebiet L’viv. Er hat Bauwesen an einer Fachhochschule studiert, den Militärdienst abgeleistet und danach das Priesterseminar in Kiev absolviert. Die Gemeinde gehört zur Ukrainischen orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und nutzt als Kirche das neben der Kirche gelegene Gebäude des Pastorats.

Zu Beginn des Gesprächs berichtete V. Pogorelov, dass die Arbeiten am Wiederaufbau der Kirche wegen Geldmangels eingestellt werden mussten. Man habe nun schon im dritten Jahr nacheinander eine Trockenheit, die zu enormen Ernteausfällen geführt habe. Dadurch fehle auch das für die Kirchenrestaurierung erforderliche Geld. Ich sei nicht der erste Besucher aus Deutschland, der sich über den Zustand der Kirche erschüttert zeige, Hilfe sei bislang aber von keiner Seite gekommen. Man wisse ja, dass es weit und breit kein vergleichbares Gebäude gebe. Es stimme auch, dass es unter Denkmalschutz steht. Man sei bereit, nach Möglichkeit die Renovierung voranzutreiben. Wenn jemand 50 Prozent der Kosten übernehmen würde, könnte man zügig zur Sache kommen.

Die Frage nach den erforderlichen Baugenehmigungen und einer Kostenkalkulation konnte Priester Ioann überzeugend beantworten. Er legte eine Mappe mit im Juni 2005 bestätigten Bauzeichnungen und einer Kostenkalkulation vom Oktober 2004 vor. Mein Eindruck war, dass nach einer entsprechenden Prüfung und Aktualisierung der Kostenkalkulation mit den Arbeiten begonnen werden könnte.

Mit Priester Ioann sprach ich auch über die Abrechnung der durchgeführten bzw. anstehenden Arbeiten. Er versicherte, dass über alle Ausgaben dem Vorstand der Kirchengemeinde berichtet und dessen Zustimmung eingeholt werden müsse, und das werde auch so praktiziert.

Im Vorraum der derzeitigen Kirche sah ich eine Liste der Spender. Gespendet wurde für den Kauf von Glocken. Da alle Spender genannt sind, d.h. jeder sich in der Liste finden kann, und die Ausgaben vom Gemeindevorstand geprüft werden, scheint mir in der Frage der Mittelverwendung genügend Transparenz gegeben zu sein.

Die Einkaufspreise sind mittels eines Preisvergleichs zu prüfen. In welchem Umfang dies in der Vergangenheit gemacht wurde, kann ich so nicht beurteilen.

Mit Priester Ioann und V.G.Pogorelov sprachen wir über einen möglichen Zeitplan für die Durchführung der Arbeiten. Aus deren Sicht könnte dieser wie folgt aussehen:
2007: Baustoffe einkaufen; 2008: Eindecken des Gebäudes und Innenarbeiten; Herbst 2009: Einweihung der Kirche zum 200. Gründungstag der Kolonie. Diesen Zeitplan halte ich für realistisch, wobei der Zeitpunkt für den Beginn der Arbeiten durchaus vorgezogen werden kann, wenn es gelingt, die erforderlichen Baustoffe früher einzukaufen.

Dr. Alfred Eisfeld, Leiter der Abteilung Göttingen des Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V.

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