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Georg Hildebrandt
„Wieso lebst du noch? Ein Deutscher im Gulag“

 

Das vielbeachtete Buch ist der erste „kanonische Text“ eines aus Russland nach Deutschland heimgekehrten Aussiedlers. Obwohl Hildebrandt kein „geborener“ oder „gelernter“ Autor ist, gelang ihm mit „Wieso lebst du noch“ als erstem Russlanddeutschen neben Nelly Däs der Durchbruch. Das Buch, das weitgehend sein eigenes Schicksal in guten und schlechten Zeiten, aber doch überwiegend in Gefängnissen und Lagern der UdSSR beschreibt, wurde von seinen Landsleuten begierig gelesen, gelegentlich sogar ob einiger für unmöglich erscheinenden Begebenheiten kritisiert und von bedeutenden bundesdeutschen Zeitungen von der Frankfurter Allgemeinen bis zur Rhein-Neckar-Zeitung besprochen und gelobt.

Manches von dem, was Hildebrandt über die Jahre 1929 bis 1971 berichtet, scheint nicht nur ahnungslosen, sondern auch hartgesottenen Lesern tatsächlich rätselhaft. Aber ist es nicht so, dass vieles von dem, was Russlanddeutsche über ihre Jahre in der Fremde berichten, den meisten Bundsbürgern übertrieben erscheint? Dabei ist es summa summarum eher untertrieben, denn die Russlanddeutschen, die das wahre Ausmaß ihrer Tragödie in der Sowjetunion am eigenen Leib verspürt haben, leben nicht mehr. Die wenigsten von ihnen starben eines natürlichen Todes. Georg Hildebrandt ist einer der ganz wenigen, die die Hölle mit viel Geschick und noch mehr Glück überlebt haben und in der Lage waren, der Welt kundzutun, was mit ihnen geschah.

Das Buch muss man gelesen haben, wenn man in Sachen Sowjetkommunismus mitreden oder wenigstens eine Ahnung davon haben will. Fast wäre auch Hildebrandt das nicht gelungen, aber gute Freunde und Helfer, von denen an erster Stelle Dr. Bernhard Abend und Kristina Teppert zu nennen sind, halfen ihm über Schwierigkeiten hinweg, die der Druck eines Buches Neubürgern bereitet.

Georg Hildebrandt wurde 1911 eigentlich als Isaak Hildebrandt in Kondratjewka im ukrainischen Dongebiet geboren. Isaak war bei den deutschen Mennoniten, zu denen die Hildberandts gehörten, so wie Abraham, Jakob und Sarah der selbstverständlichste deutsche Name der Welt. Erst nach seiner Ausreise nach Deutschland, 1974, merkte er, dass es in der Bundesrepublik Deutschland eine andere Deutung dieser biblischen Namen als in Russland gibt. Als sich Nachbarn immer mehr für seinen „nichtdeutschen“ Vornamen interessierten, nahm er kurz entschlossen den Namen seines unter Stalin umgebrachten Onkels Georg an und wurde fortan nicht mehr als Jude „verdächtigt“ oder bedauert. Zwischen seiner ersten Verhaftung und der Ausreise liegen 44 Jahre Flucht, Verbannung, Gefängnis, Entbehrungen, Krankheit und gelegentlicher Normalität. Zur größten Häufung von Schicksals- und Menschheitsschlägen berichtet er selbst: „Im März 1942 kam ich hinter Stacheldraht in die Trudarmee im Ural. Am 15. September 1942 wurde ich in der Verbannung verhaftet, Ende 1945 entlassen. Im September 1945 wurde ich wieder verhaftet. Im Gefängnis von Swerdlowsk erkrankte ich an Lungentuberkulose und wurde am 27. Januar vorzeitig aus einem Straflager in der Kolyma entlassen. Doch am 15. Juli 1953 erfolgte eine neue Verhaftung und eine „Reise“ durch die Gefängnisse des Fernen Ostens, Sibiriens und des Urals. Im November 1955 wurde mir ein Teil der Lunge entfernt. Ab 1961 konnte ich endlich meinem Beruf nachgehen.“ Schon die räumliche Entfernung der Verbannungsorte allein spricht Bände.

 

Sie erhalten „Wieso lebst du noch? Ein Deutscher im Gulag“ im Bücherangebot der Landsmannschaft zum Preis von 6,00 Euro.

 

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