|

NELLY DÄS
“Emilie, Herrin auf Christiansfeld ”

Erst 17 Jahre alt wird Emilie traditionsgemäß mit dem Witwer ihrer Cousine Matilde verheiratet, den sie heimlich schon lange liebt. Damit ist sie Herrin auf dem Gut Christiansfeld und zugleich Stiefmutter des vierjährigen Friedrich und der zweijährigen Matilde. Sie hat Glück, das Einleben auf dem Gut wird ihr von der Schwiegermutter und vom Kindermädchen leicht gemacht. Von allen Gutsbewohnern geliebt und geachtet schenkt Emilie sieben Kindern das Leben und entwickelt sich zu einer starken Frau und fähigen Gutsherrin.
Diese Stärke hilft ihr, so manchen Schicksalsschlag zu überwinden. Die Revolution 1917 in Russland bringt den Menschen Kummer und Leid. Gottlieb, ihr Mann und die zwei ältesten Söhne werden von Machno, einem gefürchteten Banditen ermordet, zerhackt. An diesem Verlust zerbricht sie fast, wären da nicht ihre anderen Kinder, denen sie das Gut erhalten will. Emilie gerät ins Visier der Bolschewiken. Aus der einst verwöhnten und geliebten Gutsherrin wird über viele Jahre hinweg eine gejagte Frau, bis 1941 sie die wie so unendlich viele andere in die Weiten Sibiriens verbannt wird. Die meisten ihrer Kinder hatte sie verloren, sie selbst starb 1977 im Ural, ohne ihr geliebtes Christiansfeld noch einmal gesehen zu haben. Ein Herzenswunsch, den sie sich nicht erfüllen durfte. Sie sagte einmal: „Wer unsere Hölle nicht durchlitten hat, der kann uns nicht verstehen.“
|